Sicherheit und Gesundheit

Europaweiter Bericht:

Potenziell lebensgefährlich Verletzte in Deutschland unsichtbar

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) sieht dringenden Reformbedarf bei der amtlichen Erfassung der bei Verkehrsunfällen in Deutschland verletzten Personen. Anlass ist der heute veröffentlichte »Serious Injuries Report« des Europäischen Verkehrssicherheitsrats (ETSC), der erhebliche Lücken bei der statistischen Erfassung potenziell lebensgefährlich verletzter Verkehrsteilnehmer aufzeigt – auch in Deutschland. Laut dem Bericht erfassen viele europäische Staaten inzwischen Unfallopfer nach dem medizinischen Standard »MAIS 3+«, der das Risiko langfristiger Schäden oder tödlicher Verläufe abbildet. Deutschland hingegen nutzt in der amtlichen Statistik weiterhin die rein organisatorische Kategorie »stationär für mindestens 24 Stunden aufgenommen« – und zählt »MAIS 3+«-Verletzte bislang nicht gesondert.

»Unfallprävention darf kein Blindflug sein«

Manfred Wirsch, DVR-Präsident

»Wer das Risiko im Straßenverkehr wirklich reduzieren will, braucht klare, verlässliche Daten. Es macht einen großen Unterschied, ob jemand zur Beobachtung eine Nacht im Krankenhaus verbringt oder monatelang im Koma liegt und vielleicht nie wieder arbeiten kann. Ein genaueres Wissen über die Unfallfolgen hilft uns auch, die Prävention zu verbessern – zum Beispiel bei der Verbesserung von Infrastruktur oder Fahrzeugtechnik.«

Der ETSC-Bericht weist darauf hin, dass europaweit besonders viele potenziell lebensbedrohlich Verletzte nicht durch Polizeistatistiken erfasst werden – etwa, weil kein motorisiertes Fahrzeug beteiligt ist. In den Niederlanden liegt die polizeiliche Erfassungsrate bei Unfällen ohne Fahrzeugbeteiligung nur bei rund 12 Prozent. Auch Deutschland ist von solcher systematischer Untererfassung betroffen.
Um das zu ändern, fordert der DVR eine gesetzliche Verankerung der »MAIS 3+«-Erhebung in der amtlichen Straßenverkehrsunfallstatistik – als Voraussetzung für effektive Prävention:

»Im Zusammenspiel von Polizeien der Länder, Krankenhäusern und der gesetzlich geregelten Bundesstatistik braucht es jetzt den gemeinsamen politischen Willen, die Voraussetzungen für eine bessere Erhebung zu schaffen«, mahnt Wirsch. »Eine Novellierung des Straßenverkehrsunfallstatistikgesetzes muss auf die Agenda – in dieser Legislaturperiode. Wir hoffen, dass die kommende Bundesregierung hier das Heft des Handelns in die Hand nimmt und alle Beteiligten hinter dem Ziel einer besseren Erfassung der Daten von potenziell lebensgefährlich Verletzten versammelt.«

Zum Hintergrund:

Deutschland zählt zu den wenigen Ländern Europas, die bislang kein Ziel zur Reduktion der nach der europaweit einheitlichen Definition »MAIS 3+«-Verletzten formuliert haben. Für die grobe Kategorie der »Schwerverletzten« wird lediglich eine signifikante Senkung angestrebt. Auch eine systematische, bundeseinheitliche Erhebung existiert bisher nicht – obwohl die EU-Staaten gemeinsam eine Halbierung dieser Zahl bis 2030 anstreben. Deutschland meldet bislang eine geschätzte Zahl potenziell lebensgefährlich Verletzter an die EU, die auf Hochrechnungen aus dem Forschungsprojekt GIDAS (German In-Depth Accident Study) basiert. Dieses erhebt jährlich rund 2.000 Verkehrsunfälle mit Personenschaden in ausgewählten Regionen – zu wenig, um belastbare Aussagen über einzelne Unfallkonstellationen zu treffen.

Kontakt:

Torsten Buchmann · stellv. Hauptgeschäfts-führer/Abteilungsleiter Kommunikation Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e. V.
Jägerstraße 67 – 69 · 10117 Berlin
Telefon: 030-22 66 77 1-38
TBuchmann@dvr.de · www.dvr.de

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